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AUFRUF ZUR UNTERSTÜTZUNG

Fördern, Vernetzen, Weiterbilden–
Eine Perspektive für die Freien Darstellenden Künste in Hessen

Unterstützung mit Name, Ort und Tätigkeit bitte per mail an info@laprof.de

Die mangelnde Förderung der Freien Darstellenden Künste durch die hessischen Landesregierungen in unterschiedlichster Konstellation ist schon lange ein unmöglicher Zustand. Hessen befindet sich im Vergleich mit anderen Bundesländern in einer schlechten Position. Im aktuellen Haushalt befinden sich für etwa 280 Gruppen und 180 Einzelkünstler nur 240.000 Euro für Produktionsförderung, davon nur 49.000 für Darstellende Künste jenseits von Kinder- und Jugendtheater. Selbst wenn man alle Haushaltsposten addiert, die im weitesten Sinne den Freien Darstellenden Künsten zugute kommen, erhält man die Summe von 553.000 Euro, wobei der überwiegende Teil für Kinder- und Jugendtheater im ländlichen Raum bereitsteht. Zum Vergleich: In Niedersachsen teilen sich 100 Theater etwa 2 Millionen Euro, In Baden Württemberg 205 Theater 1,4 Millionen Euro, Nordrhein-Westfalen stellt für 100 Ensembles und 180 Einzelkünstler 4,4 Millionen bereit und Berlin investiert fast 9 Millionen in 250 Theater.

Die Folge ist: Abwanderung von darstellenden KünstlerInnen. Hessen besitzt unter anderem mit der ATW in Gießen, der HFMDK Frankfurt, dem Institut für TFM Frankfurt und der HFG Offenbach renommierte Ausbildungsinstitutionen für die Freien Darstellenden Künste. International erfolgreiche KünstlerInnen der freien Szene werden in Hessen aufgebaut. Doch müssen die meisten, um auf einer professionellen Grundlage zu arbeiten und zu überleben, Hessen verlassen.

Freie Darstellende Künste sind bundesweit Marktführer im Kinder- und Jugendtheater, sie bringen Theater in die abgelegensten Gebiete, ihre ästhetischen Innovationen und neue Arbeitsformen bringen neue Impulse in die Theaterszene, sie sind Vorreiter auf dem Gebiet kultureller und ästhetischer Bildung, sind international und interkulturell vernetzt, sie bringen neue Zuschauerschichten zu Tanz und Theater. Diese Leistungen müssen von der hessischen Landesregierung stärker als bisher unterstützt werden. Deshalb fordern wir einen ENTWICKLUNGSPLAN FÜR DIE FREIEN DARSTELLENDEN KÜNSTE, der eine Evaluierung dieser Szene vornimmt und die Leistungen der KollegInnen jenseits der Stadt-, Landes- und Staatstheater mit entsprechenden Zukunftsperspektiven versieht. Welche Schritte wir dabei wichtig finden, wollen wir hier skizzieren:


A. Flexibel und angemessen Fördern

Die Landesregierung muss in Hessen dauerhaft eine wesentlich besser ausgestattete Förderung der Freien Darstellenden Künste etablieren und zeitgemäße und flexible Strukturen schaffen.

1.Die Landesregierung muss einen eigenen Haushaltsposten für Freie Darstellende Künstler einrichtet, der allen Sparten und Regionen offensteht.

2.Um die Arbeitsbedingungen hessischer Freier Darstellender Künstler gegenüber denen anderer Bundesländer
anzugleichen, muss die Landesregierung diesen Haushaltstitel schrittweise auf das Niveau anderer Bundesländer anheben.

3.Das Land Hessen sollte, ergänzend zu den Kommunen, ausdifferenzierte und flexible Förderstrukturen schaffen. Dazu sollten neben Projektförderung auch die Instrumente Konzeptionsförderung und Basisförderung gehören, um mittelfristige Planungssicherheiten zu gewährleisten. Darüber hinaus brauchen wir eine Einstiegsförderung, um neue Gruppen oder Künstler bei Erstproduktionen zu unterstützen. Eine zusätzliche Aufführungsförderung soll dafür sorgen, dass Stücke länger und an verschiedenen Orten gespielt werden können. In den Förderanträgen sollten explizit Honorare für die Vor- und Nachbereitung von Produktionen ausgewiesen werden.

4.Hessen braucht eine Gastspielförderung für alle Sparten,
a) damit gute Produktionen aus dem Land im ganzen Land gezeigt werden können (Beispiel: laPROF-Konzept „Made in Hessen“);
b) damit Produktionen aus Bundesländern oder dem Ausland die hessische Theaterlandschaft bereichern können;
c) um Gastspiele von hessischen Gruppen im In- und Ausland zu ermöglichen.
Eine Ausweitung der Gastspielförderung stärkt sowohl die Darstellenden Künstler, als auch die Veranstalter. Hessen braucht ein Landesfestival für Freie Darstellende Künste.

5.Wie andere Landesverbände in der freien Kultur, braucht auch der Landesverband Freier Theater eine regelmäßige Förderung, um seiner Vernetzungs-, Beratungs- und Weiterbildungsfunktion angemessen nachkommen zu können.

6.Mittelfristig muss die Landesregierung den Etat zur Förderung der Freien Darstellenden Künste so ausstatten, dass verbindliche Honoraruntergrenzen durch Mittel der öffentlichen Hand gewährleistet sind. Das ist eine Voraussetzung, um das Risiko prekärer Lebensverhältnisse von KünstlerInnen zu minimieren und Grundlage erfolgreicher Berufsbiographien.


B. Alle gesellschaftlichen Bereiche für die Freien Darstellenden Künste öffnen

Freie darstellende Künstler leisten heute neben der Kommunikation gesellschaftlicher Themen auch wichtige Arbeit in den Bereichen Bildung, Soziales und Politik. Durch ihre offenen Arbeitsstrukturen, ihre Flexibilität und Mobilität können sie schneller auf aktuelle Situationen reagieren. Sie begeben sich an die Basis, in den ländlichen Raum oder in gesellschaftliche Nischen. Sie stoßen Projekte an, agieren selbstbestimmt und erproben neue Felder des Denkens und Handelns.

Damit haben sie einen wichtigen Anteil an den Verflüssigungen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Tätigkeitsbereichen, dem Wandel unserer Arbeitswelt. Projekte der Freien Darstellenden Künste in diesen Grenzbereichen werden aber oftmals unterschätzt und erhalten kaum systematische Unterstützung. So liegt eine Menge kreatives Potenzial brach. Eine zeitgemäße Kulturpolitik sollte die Freien Darstellenden Künste gegenüber den klassisch institutionellen Künsten aufwerten und die Integration ihrer Kompetenzen in die anderen gesellschaftlichen Bereiche voranbringen.

1.Alle Ministerien sollten Budgets für künstlerische Projekte einrichten.

2.Aufgrund der übergreifenden interdisziplinären, soziokulturellen, intermedialen Arbeit von Künstlern erachten wir auch die Einrichtung einer interministeriellen Kontaktstelle für alle kulturellen Belange für angebracht.

3.Wir fordern einen Landeskulturrat in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden.

4.Damit Hessen ein attraktiverer Ort für freiberufliche Künstler wird, muss ein hessenweites Veranstalternetz gefördert werden.

5.Dazu gehört auch die Mittelerhöhung und bessere Ausstattung der LAKS Hessen, als Verband von Veranstaltern und Raum für künstlerische Praxis.

6.Die schulische und außerschulische Zusammenarbeit von Freien Theatern und Schülern sollte weiter intensiviert werden. Neben dem Erhalt der Veranstaltungsreihe „FLUX“, Kinder- und Jugendtheater an Schulen, sollten in „kulturschwachen“ Regionen Hessens Modellversuche zur regelmäßigen Zusammenarbeit zwischen Theaterkünstlern und Schulen eingerichtet werden. Auch kaleidoskop, die von laPROF veranstaltete Kinder- und Jugendtheaterreihe im ländlichen Raum, sollte besser gefördert werden.

7.Eine dauerhafte Weiterführung des Tanzlabor_21 sollte gewährleistet sein, um darauf aufbauend bessere Bedingungen für die sich entwickelnde, herausragende hessische Tanzszene zu schaffen.


C. Ständige Weiterbildung und Vernetzung ermöglichen

Die Ausbildungssituation in Hessen ist im Vergleich zu anderen Ländern ausgezeichnet – dank Einrichtungen wie der HTA, der HFMA und dem Tanzlabor_21. Dem Gegenüber steht eine starke Abwanderung in Hessen ausgebildeter Künstler in die anderen Bundesländer. Gründe für die Abwanderung sind vor allem zu geringe Projektmittel, mangelnde Infrastruktur und Arbeitsvernetzung sowie fehlende Weiterbildungsmaßnahmen. Die Kulturpolitik muss dafür sorgen, dass Hessen die Künstler, die hier ausgebildet werden, auch hier hält.

1.Freie Darstellende Künstler brauchen weiterbildende Seminare und Kurse in Projektmanagement, Kulturrecht, Marketing – zusätzlich zu ihrer künstlerischen Ausbildung. Dazu ist es notwendig, eine Kooperation mit den Ausbildungsinstitutionen der HTA und bereits bestehenden Weiterbildungsinitiativen anzustreben und finanziell zu unterstützen. Zweck der Weiterbildungen muss es sein, Künstlern ihre Existenz langfristig zu sichern.

2. DieDie Transition in berufsverwandte Branchen – bei gleichzeitiger Qualitätssicherung – muss erleichtert werden. Dazu bedarf es konkreter Qualifizierungswege, die im Diskurs mit Bildungsträgern ausgearbeitet werden müssen.

3.laPROF sollte mit einer angemessenen Förderung zum selbständig arbeitenden Landesbüro der Freien Darstellenden Künste ausgebaut werden, um die künstlerischen Ressourcen in Hessen noch intensiver überblicken, darstellen und vernetzen zu können. Damit könnte laPROF zukünftig z. B. auch die Betreuung von freischaffenden Künstlern aus nicht EU-Ländern organisieren oder landesweit kulturelle Zwischennutzungsmöglichkeiten von leer stehenden (Proben-)Räumen erschließen und darüber informieren. Außerdem könnte laPROF dann als Schnittstelle fungieren für Weiterbildungsmaßnahmen in Kooperation mit bestehenden Einrichtungen.

LaPROF

Landesverband professionelles freies Theater Hessen e.V.