# lokales: Mehr Geld für Kultur in Marburg? Interview mit OB Dr. Thomas Spies

Nach der Wahl ist vor der Wahl: 2021 findet die nächste Kommunalwahl in Hessen statt. Die Reihe # lokales berichtet über die Situation der freien Theaterschaffenden und der Kulturpolitik aus verschiedenen Kommunen Hessens.

Den Anfang machen wir mit einem kleinen Interview mit Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der in Personalunion Kulturdezernent ist. Nachdem in Marburg 2017 unter überregionalen Protesten Kürzungen im Kulturbereich durchgesetzt wurden, stiegen die Ausgaben 2018 wieder. Für laPROF Grund einmal nachzufragen, wie es mit der Förderung von Kunst und Kultur in der Studentenstadt an der Lahn weitergehen soll.

[laPROF] Im vergangenen Jahr wurden die Zuschüsse für viele Kultureinrichtungen gekürzt. Darauf gab es heftige Proteste der Marburger Szene mit bundesweiter Unterstützung. 2018 sieht die Situation anders aus. Haben die Proteste also geholfen?

[Thomas Spies] Nein. 2016 und 2017 sind der Stadt Marburg über 50 Millionen an erwarteten Einnahmen weggebrochen, das ist sehr viel Geld. Deshalb musste 2017 leider auch bei Kulturzuschüssen gespart werden, insgesamt etwa 2 % oder 77.000 Euro. Allerdings bekommen die Freien Träger rund die Hälfte unserer 5,2 Millionen Kulturförderung, das ist ein einzigartiger Standard. Und sobald wir 2018 aus der Notlage heraus waren, haben wir die Zuschüsse zum Ausgleich deutlich stärker angehoben. Das haben wir aus Überzeugung gemacht und unabhängig von den Protesten.

[laPROF] Sie bezeichnen die Kultur „zentrale und gelegentlich unterschätzte Größe, wenn es um die langfristige Entwicklung des Gemeinwesens geht“? Wir trägt die Marburger Kultur ihrer Ansicht nach zur Entwicklung der Stadt bei?

[Thomas Spies] Speziell in einer Studierendentenstadt ist sie Standortfaktor. Außerdem: Kultur bildet, schafft Begegnung, integriert. Vor allem aber stößt sie – manchmal sehr lebhaft – Debatten an oder beteiligt sich oder gibt den Rahmen für wichtige Diskussionen. Damit verändert sie vielleicht nicht die Welt, aber das Denken – und damit fängt es an.

[laPROF] Es gibt aber Parteien die das anders sehen. Die Marburger CDU forderte zum Beispiel der überregional bekannten freien Theatergruppe German Stage Service (Heute: Theater neben dem Turm) die Mittel zu streichen. Haben die Konservativen in Marburg tatsächlich noch Angst vor freien Theatern?

[Thomas Spies] Nein, das glaube ich sicher nicht. Sicherlich gibt es unterschiedliche kulturpolitische Konzepte, aber Marburg ist eine insgesamt weltoffene Stadt. 2018 wurde der Zuschuss für den German Stage Service um 35 % erhöht – mit den Stimmen SPD, CDU und Bürger für Marburg.

[laPROF] Die freien Kulturträger erhalten zukünftig eine stabile Grundfinanzierung und zusätzliche Mittel konzeptbasiert für die Schwerpunkte kulturelle Teilhabe, zukunftsfähige Infrastruktur, Interkulturalität und gesellschaftlichen Diskurs. Wie soll das genau funktionieren? Was ändert sich für die freien Kulturträger?

[Thomas Spies] Im Details diskutieren wir noch. Zuerst soll die Grundfinanzierung stimmen, damit Kultur in Ruhe Kultur machen kann. Und dann gibt es Themen, die das Parlament, Magistrat und die Bürgerinnen und Bürger für gesellschaftlich oder kulturpolitisch wichtig halten. Dazu soll es zukünftig auch Mittel für Projekte geben.

[laPROF] Insgesamt wurde der Kulturetat um etwa 500.000 Euro erhöht. Wie wirkt sich das finanziell auf die freien Theatergruppen aus?

[Thomas Spies] Gut, die Zuschüsse für freie Theater sind 2018 um über 20 Prozent gestiegen.

[laPROF] Ist mit dieser Erhöhung für Sie das Ende der Fahnenstange erreicht oder sind weitere Aufwüchse möglich, um die prekäre Situation der freien Theaterschaffenden in Marburg zu verbessern?

[Thomas Spies] Mein Ziel ist es, den Kulturhaushalt weiter auszubauen und Projekte zumindest zu erheblichen Teilen mit zusätzlichem Geld zu fördern.

[laPROF] Erhoffen Sie sich nach der Wahl, dass eine neue Landesregierung mehr Geld für die freien Darstellenden Künste zur Verfügung stellt, sodass auch die Marburger Szene davon profitieren kann?

[Thomas Spies] Mal sehen, wie am Ende die Regierung aussieht.

[laPROF] Würden Sie als Marburger Oberbürgermeister beim Land für eine höhere Förderung der freien Darstellenden Künste werben?

[Thomas Spies] Klar.

Foto: Dr. Thomas Spies (© Patricia Grähling, Stadt Marburg )

Kategorien Aktuelles Kulturpolitik

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Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.

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