Neues Kinder- und Jugendtheater Frankfurt: Stand der Dinge

Frankfurt soll ein neues Kinder- und Jugendtheater bekommen, soviel scheint festzustehen. Trotz aller Sanierungs- und Neubaudebatten beim Schauspiel scheint der Wille der Koalition ungebrochen, eine große Lücke im Frankfurter Kulturangebot zu schließen. Nun scheint sich nach vielen Grundsatzerklärungen ein kleiner Schritt der Konkretisierung anzudeuten, wie verschiedene Medien berichten. Das immer wieder anvisierte Zoo-Gesellschaftshaus wird ernsthaft als Standort geprüft. Bis zum Herbst sei absehbar, ob dies realisierbar sei, so lässt Kulturdezernentin Hartwig verlauten.

Der Denkmalschutz vermisst derzeit die Räumlichkeiten digital, alle Hausnutzenden müssen derzeit ihren Bedarf am Haus erklären. Dann kann geprüft werden, ob die Wünsche und Notwendigkeiten eines zeitgemäßen Kinder- und Jugendtheaters dort umsetzbar sind. Immerhin umfassen die möglichen Räume 1230 Quadratmeter. Aber erst 2020 soll ein endgültiges Raumkonzept präsentiert werden.

Auch was die Konzeption betrifft, gibt es erste Ideen, wenn auch noch recht schwammig. Ein “Frankfurter Weg” soll gefunden werden, der auf die Notwendigkeiten der Stadt reagiert statt andere Modelle zu kopieren. Kinder sollen in jedem Fall dort künstlerisch tätig werden und in die Prozesse am Theater eingebunden werden. „Ein solches Theater spricht Fähigkeiten und Empfindungen an, die von der Schule nicht entwickelt werden. Es hat eine integrative Kraft, fördert die Gemeinschaft und ist identitätsstiftend. Aber es hat auch eine symbolische Aussagekraft: Es zeigt, dass unsere Kinder es wert sind, dass wir ihnen so etwas bauen“, so zitiert die Frankfurter Rundschau Ina Hartwig.

laPROF begrüßt die Einrichtung eines neuen Kinder- und Jugendtheaters, auch weil es als Institution der freien Darstellenden Künste geplant ist. Doch fehlt eine offene Debatte in der Stadt und in der Szene über die Konzeption und inhaltliche Ausrichtung. Denn es gibt durchaus unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie eine solche Institution arbeiten und was sie produzieren kann. Schließlich sind Kinder und Jugendliche es wert, mit der bestmöglichsten Kunst in Kontakt zu kommen, die sie gleichermaßen verführt wie verunsichert, sie einlädt und herausfordert, sie einbezieht und in kritische Distanz bringt, sie zusammenbringt und ihrer Diversität Rechnung trägt. Unser Verband laPROF bietet dabei gerne seine Mitarbeit an.

Foto: By EvaK (EvaK) [FAL or CC BY-SA 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Kategorien Aktuelles Kulturpolitik

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Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.

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