Literaturtipp: Zwischen Kunst und Bildung

Seit einigen Monaten erhältlich: Die Publikation „Zwischen Kunst und Bildung“, die interessante Texte zur „Theorie, Vermittlung, Forschung in der zeitgenössischen Theater-, Tanz- und Performancekunst“ bietet. Vorgestellt werden Ergebnisse aus einer dreijährigen Erprobung und Entwicklung (2014-2017) eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten wissenschaftlich fundierten Weiterbildungsmodells Kunst_Rhein_Main. Es wurde durchgeführt von Tanzlabor 21  (heute Tanzplattform Rhein-Main) sowie dem internen Kooperationspartner FLUX. Theater in Hessen unterwegs. Theater für Schulen. Verein zur Förderung der Zusammenarbeit von Theatern und Schulen in Hessen e.V., koordiniert und wissenschaftlich begleitet von der Universität Koblenz-Landau. Die Herausgeberinnen waren bei der Durchführung des Programmes federführend: Ilona Sauer (FLUX), Mareike Uhl (Tanzplattform), Kristin Westphal (Professorin Universität Koblenz-Landau) und Teresa Bogerts (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Koblenz-Landau).

Doch auch unabhängig vom Weiterbildungsmodell sind die Texte im Buch wichtige Beiträge zur Debatte um Kunst und Bildung. Zunächst geht es um wichtige Begriffe in der theoretischen Auseinanderssetzung, um neue Formen des Lernens, die Begriffsgeschichte von Bildung, verschiedene Verständnisse von Kindheit, aber auch um Kunst als subversives Spiel und Risiko. Desweiteren gibt es Texte über die Vermittlung zwischen Kunst und Bildung, indem künstlerische Verfahrensweisen aus didaktischer Perspektive vorgestellt werden, wie das Forschungstheater von Sibylle Peters oder die partizipativ-biografische Strategie der Fräulein Wunder AG.  Zudem werden grundlegende Fragen reflektiert: Wie wichtig ist Didaktik für Kunst und Vermittlung? Welche Form der Partizipation ist sinnvoll? Wie positionieren sich Künstler*innen in ihrem Selbstverständnis zwischen Kunst und Bildung?

In einem weiteren Kapitel stehen konkrete Arbeits- und Verfahrensweisen von Künstler*innen im Mittelpunkt, wie unter anderem das Nachbauen von Katastrophen mit Kindern von Hannah Sibylle Müller und Eva Meyer-Keller, die Hörperformances von LIGNA, die Kollektivarbeit mit Kindern von SKART, aber auch der pädagogisch-künstlerische Ansatz von Claudia Hanfgarn. Das Abschlusskapitel beschreibt und reflektiert die wissenschaftliche Begleitung des Projektes Kunst_Rhein_Main und stellt Qualitäten der künstlerisch-pädagogischen Praxis im Kontext des Projektes anhand verschiedener Parameter heraus.

Insgesamt ist die Publikation „Zwischen Kunst und Bildung“ ein wichtiges Standardwerk für alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Sie gibt wichtige theoretische Denkanstöße und interessante Einblicke in die Praxis. Und mit 29,80 Euro ist das 500-Seiten-Werk dazu noch verhältnismäßig günstig.

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Foto: Lucas Fester, Katastrophenkompositionen, Durban 2011 zum Projekt “Bauen nach Katastrophen” von Sibylle Müller und Eva Meyer Keller

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Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.