Wenig transparent aber gut vernetzt – Umfrage zur Kulturpolitik Hessens

Der Prozess zum “Masterplan Kultur”, bei dem die Landesregierung die Schwerpunkte künftiger Kulturpolitik festlegen möchte, geht in die nächste Runde. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat nun die Ergebnisse einer Onlineumfreage veröffentlicht, bei der zwischen Mai und Ende August 2018 Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürger*innen einen offen zugänglichen Fragebogen ausfüllen konnten. Dabei wurde nach Einschätzungen zur hessischen Kulturpolitik gefragt. Schwerpunktthemen waren neben allgemeinen Fragen auch Ehrenamt, Kulturelle Bildung und Digitalisierung.

Mit 1745 Personen füllten diese Fragebogen eine durchaus nennenswerte Zahl Personen aus, etwa je zur Hälfte Kulturschaffende und Bürger*innen. Während die Umfrage bezüglich der  zweiten Gruppe kaum repräsentativ ist, können die Antworten der Kulturschaffenden durchaus als relevant bezeichnet werden, zumal die Beteiligung aus allen Regionen kam.

Umso interessanter, dass viele Kritikpunkte von laPROF durch die Befragung gestützt werden. So bezeichnen nur 27 Prozent der Kulturschaffenden die derzeitige Mittelverteilung zwischen öffentlichen Institutionen und freier Szene als ausgewogen, 62 Prozent stimmen dem weniger oder garnicht zu. 74 Prozent der im Kulturbereich tätigen bezeichnen die Kulturförderung des Ministeriums als wenig transparent und nachvollziehbar, 82 Prozent fühlen sich schlecht informiert über die Förderpolitik und 72 Prozent über Fördermöglichkeiten. Dabei wird die Kulturlandschaft überwiegend als lebendig wahrgenommen, was auch im besonderen Maße für die Theaterszene gilt.

Die Kulturelle Bildung in Hessen wird überwiegend als positiv bewertet, wobei ein Mangel an Angeboten für Menschen mit Migrationshintergrund festgestellt wird. Als Best Practice Beispiele werden im Bereich Darstellende Künste häufig FLUX – Theater und Schule und KALEIDOSKOP, die laPROF-Gastspielreihe im ländlichen Raum genannt. Für die Zukunft wünschen sich 91 Prozent der Kulturarbeiter*innen neue dauerhafte Strukturen und zu 64 Prozent die Förderung neuer zeitlich befristeter Projekte. Als positiv werden zudem die gute regionale Vernetzung der Kultureinrichtungen miteinander, sowie die Aufnahme von Kultur als Staatsziel in die Hessische Verfassung beurteilt.

laPROF begrüßt, wie offen das Ministerium mit den abgefragten Daten umgeht und sieht sich durch die Onlineumfrage in den eigenen Positionen bestätigt. Die Ergebnisse zeigen für uns auf, dass Veränderungen in Richtung mehr Transparenz und Information notwendig sind. Auch eine bessere Förderung freier Kultur und eine verstärkte Finanzierung dauerhafter Strukturen wird von laPROF befürwortet. Wir freuen uns darauf, dass das Ministerium den Masterplan Kultur als partizipativen Prozess weiterführen möchte, in den wir uns gerne im Zusammenspiel mit anderen Verbänden einbringen wollen.

Die Ergebnisse der Befragung findet man hier

 

 

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Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.