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Alllianz der Freien Künste: Kritik an Coronahilfen des Bundes

Während die Bundespolitik über Lockdownverlängerungen und Maßnahmenverschärfungen diskutierte, ging die bundesweite Allianz der freien Künste am 18.1. 2021 mit deutlicher Kritik an den Coronahilfen des Bundes an die Öffentlichkeit. Kritisiert wird, dass es noch immer keine wirksamen Hilfen für soloselbstständige Künstler*innen in der Coronakrise gebe, was Folgen für die Kultur in Deutschland habe.

Die für Januar 2021 angekündigte Neustarthilfe für Soloselbstständige könne immer noch nicht beantragt werden, für viele Betroffene werde der pauschale Betriebskostenzuschuss zudem aufgrund verhältnismäßig niedriger Jahresumsätze weit unter 500 Euro monatlich liegen. Bei November- und Dezemberhilfen zählten soloselbstständige Kulturschaffende nur zu den “indirekt Betroffenen”, aufgrund ihrer Erwerbsstruktur könnten sie oft den erforderlichen Nachweis nicht erbringen, dass 80 Prozent der ausgefallenen Umsätze tatsächlich realisiert worden wären. Zudem wird kritisiert, dass komplexe Zugangsvoraussetzungen und sich ständig ändernde Rechtsgrundlagen für Verunsicherung und wenig Verlässlichkeit sorgten.

Die Allianz der freien Künste empfiehlt stattdessen einen Zuschussbetrag von monatlich mindestens 1.180 Euro im Sinne eines fiktiven Unternehmer*innenlohns und die Einstufung von soloselbstständigen Kulturschaffenden als “direkt Betroffene” im Rahmen der November- und Dezemberhilfen. Zudem wird unter anderen eine radikale Vereinfachung der Grundsicherung für die Dauer der Pandemie gefordert, was den Wegfall der Bedarfsgemeinschaft, der Vermögensprüfung, des Bewerbungszwanges und des des de facto geltenden Mobilitäts-Verbotes bedeuten solle. Die Förderprogramme im Rahmen von NEUSTART KULTUR sollten um eine weitere Milliarde augestockt werden.

Die Allianz der freien Künste ist ein offenes Bündnis von Bundesverbänden und Interessenvertretungen der privatrechtlich organisierten Kunst- und Kulturschaffenden in Deutsch­land. Sie wurde 2017 gegründet, um spar­ten­übergreifend gemeinsame, übergeordnete Forderungen zu bündeln und in den kultur­po­liti­schen Diskurs einzubringen. Ziel der Allianz ist es, die Arbeits- und Lebensbedingungen für die in diesem Ar­beitsfeld tätigen Akteur*innen zu verbessern. Mittlerweile gehören 19 Verbände aus unterschiedlichen Kunst- und Kulturbereichen der Allianz der freien Künste an.

Den Text der Allianz der freien Künste findet man hier

Bild: Andrew Martin auf Pixabay

Autor

Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.