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Kunst und Corona in Frankfurt: Neue Unterstützung, kontroverse Debatte

In Deutschland erreichen die Corona-Infiziertenzahlen täglich Rekorde. Auch in Frankfurt sieht es nicht besser aus, schon lange liegt man in der hessischen Metropole stabil über 250 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Der erneute Lockdown hat für viele vor allem nicht öffentlich geförderte Kulturschaffende enorme Folgen. Viele Freie Darstellende Künstler*innen erzielen im November und Dezember einen großen Teil Ihres Jahresumsatzes.

Glücklicherweise scheint die Ankündigung der Bundesregierung zur Erstattung von Einnahmeausfällen konkrete Formen anzunehmen. In Frankfurt gibt es weiterhin lokale Unterstützungsmöglichkeiten. Die Initiative Kulturzeiter*in, die während des letzten Lockdowns Spenden sammelte und Kulturschaffende mit fast 100.000 Euro fördern konnte, macht rechtzeitig zum neuen Lockdown weiter. Man hat sich als Verein gegründet und neue Gelder aquiriert, sodass ab sofort wieder Förderungen von Kulturschaffenden aus Frankfurt und Offenbach über 500 Euro möglich sind.

Auch das Frankfurter Grün-Soße-Festival hat mit einer Aktion namens “Kräuter für Künstler” Spenden gesammelt. Ein Teil der dort erzielten Spenden geht ebenfalls an die Kulturzeiter*in, der Rest stockt den Notfallfonds des Kulturdezernates auf, der seit Pandemiebeginn in Not geratene Kulturschaffende aus Frankfurt unterstützt. Kulturdezernentin Ina Hartwig erhöht den Topf ebenfalls um 25.000 Euro aus städtischen Mitteln, eine Gruppe von Privatspendern steuert die selbe Summe als Spende bei. Anträge zwischen 500 und 5000 Euro auf Mittel des nun mit noch etwa 150.000 Euro ausgestatteten Notfallfonds können in diesem Jahr bis zum 30. November eingereicht werden.

Unterdessen gibt es in Frankfurt eine Diskussion um die Wiederöffnung von Kultureinrichtung. Die Frankfurter Theaterallianz, die lokale Vertretung der Theaterhäuser von öffentlichen Bühnen, Privattheatern und Freien Darstellenden Künsten veröffentlichte mit Unterschriften fast aller Mitglieder einen offenen Brief. Darin fordert sie die sofortige Wiederöffnung aller Kulturorte, die Kompensation von Mindereinnahmen durch einen Veranstaltungssonderzuschuss und ein Grundeinkommen oder einen Unternehmerlohn für Solo-Selbstständige Kulturschaffende von mindestens 1.500 €. Dabei nennt die Theaterallianz keine konkreten Adressat*innen für diese Forderung.

Kurz darauf erschien eine gemeinsame Pressemitteilung des Theater Landungsbrücken und des Ensembles theaterperipherie, beide ebenfalls Mitglieder der Theaterallianz, die sich von dem offenen Brief distanziert. Sie mahnt dazu, mit anderen von der Schließung betrofenen Berufsbranchen solidarisch zu sein statt elitäre Diskurse über Systemrelevanz zu führen und einzusehen, dass durch die Pandemie solche Schließungen notwendig seien. Dafür müssten die Theater adäquat, unbürokratisch, nachhaltig und vollständig entschädigt werden.

Foto: Caroline Brandao de Carvalho

Autor

Jan Deck ist Politikwissenschaftler, lebt in Frankfurt/Main und arbeitet als freier Dramaturg, Regisseur und Kurator. Seit über zehn Jahren arbeitet er für den hessischen Landesverband laPROF, seine Schwerpunkte sind Lobbyarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Veranstaltungen. Er ist Mitglied verschiedener Juries und Beiräte, kuratiert Tagungen, Festivals und Labore. Als Herausgeber und Autor beschäftigt er sich mit verschiedenen Aspekten von Kunst und Gesellschaft.